WERKSTATT

 

Die Werkstatt – sei es die historische oder die heutige Entfaltung – ist ein Sehnsuchts-ort und kein realer Ort. Dies schmælert jedoch keineswegs ihren Wert. In der Werkstatt liegt der Ansatz für den anderen Ort. Sie bleibt als ein wirklicher, übersichtlicher Raum zurück, wæhrend sich heute immer mehr Ræume ins Virtuelle verschieben und die Welt sich zum Informationsnetz verflüssigt. Inmitten der Ræume der entfremdenden, abstrakten und zerteilten Arbeit ist die Werkstatt ein letzter Ort der Selbsterfahrung des Menschen als ein tætiges Subjekt. Sie ist der Ort für die Gleichwertigkeit von Kœrper und Geist. In ihr versammeln sich die Sorgfalt, das meisterhafte Kœnnen und das implizite Wissen. Die Werkstatt ermœglicht die Erfahrung eines sinnvollen Ganzen. Sie ist ein Gegen-Ort zu der als zersplittert und beschleunigt wahrgenommenen Moderne. Die Werkstatt ist jedoch zugleich nicht die Abkehr vom Alltag – kein Rückzug ins Private, keine umfassende Ablehnung der Arbeitswelt und Hinwendung zur Freizeit. Sie ist auch keine Abkehr von der Zivilisation und der Kultur, kein Ruf nach dem «Zurück zur Natur». Die Werkstatt bleibt im Alltag verortet. In diesem imaginierten Sehnsuchtsraum steht die Herstellung eines Dinges im Zentrum. Hier wird der Mensch taetig. Die Werkstatt steht damit in grossem Kontrast zu den Orten des blossen Konsums wie auch zu jenen der blossen Produktion. Sie ist kein Laden und keine Fabrik. Auch in dieser Verweigerung gegenueber der rein œkonomisierten Betrachtungsweise liegt der Wert dieses imaginierten Raumes. Die Werkstatt ist ein Raum und schafft Raum. Sie ist jener Raum, nach dem wir uns sehnen, angesichts der bereits fixierten, bereits angefüllten, bereits beschriebenen und in ihrer Funktion klar festgelegten Ræume. Zugleich wehrt sich die Werkstatt gegen ein Dasein abseits des Alltags. Sie ist nicht jener ganz aus dem alltäglichen Wirtschaften ausgeschiedene Raum. Die Werkstatt ist Teil des Lebens und nicht ein aus «Was am Ende des Tages wirklich zæhlt» ausgesonderter Raum – sie beansprucht ihren Platz in der Mitte des Geschehens. Als solche ist sie Widerstand und Versprechen zugleich. Sie verweist auf ein anderes Leben.      

 

Gion A. Caminada, 2013

 

 Der Mensch spielt,

und er weiß,

dass er spielt,

und das Spiel ist

unvernünftig.

 (Jan Huizinga, 1932)

 

 

Je größer der

Dachschaden,

umso freier ist

der Blick

in den Himmel.

 

 

Man verlangt von uns Taten, Beweise, Werke. Und alles was wir vorweisen können, ist nichts als ein verwandeltes Weinen.

(E.A. Ciora)