das "zimmerhauß" im sand

eintrag im urbar von 1588 (stiftsarchiv lambach)
eintrag im urbar von 1588 (stiftsarchiv lambach)

das gebäude ist erstmals erwähnt in einem urbar des stiftes lambach aus dem jahr 1533, hier wird ein Wolfgang Ryher vom heysl im sandt als steuerpflichtiger besitzer angeführt. wenig später, im urbar 1545, findet sich Wolfgang Horninger als besitzer dieses hauses, der zudem als zymerman bezeichnet wird. in den folgenden jahren (bis ca. 1660) wechselten als besitzer stets zimmerleute und leinweber einander ab, womit auch die herkunft des häusernamens geklärt sein dürfte.

 

mit philipp weixelpamer ist um 1690 erstmals ein wirth nachgewiesen. das gasthaus „zum sand wirth“, wie es fortan hieß, diente den zimmerleuten als zunfthaus und war bis ca. 1860 geöffnet. trotz unscheinbarer lage am ortsrand erlangte es mehrfach besondere bedeutung: der sandwirt erhält als gasthof zum sandgruabmgriabal ein literarisches denkmal in p. maurus lindemayrs (1723-1783) lustspiel „der kurtzweilige hochzeitsvertrag“, das er zu ehren des besuches der erzherzogin marie antoinette 1769 geschrieben und im damals neu errichteten barocktheater des stiftes lambach uraufgeführt hatte.

 

außerdem ist es das stammhaus der weitverzweigten lambacher bürgersfamilie wachlmayr. philipp wachlmayr aus weill (gem. peuerbach) heiratete 1808 die tochter des alten sandwirts anton stögmann. er war der urgroßvater des international anerkannten lambacher expressionismus-malers aloys wach (1892-1940). wach´s großvater, michael wachlmayr, wurde im jahr 1812 in diesem haus geboren.

 

im jahr 1875 kaufte die marktgemeinde lambach das aufgelassene gasthaus und funktionierte es als sozialeinrichtung um.  wurden um diese zeit ältere menschen, die ohne familiäre versorgung waren, meist den bauern der region als sogenannte „einleger“ aufgezwungen, schuf man in lambach durch die errichtung des versorgungshauses abhilfe gegen diese unmenschliche praxis. die heimbewohner durften sich ab 1896 zwar das essen im benachbarten krankenhaus abholen, blieben aber ansonsten zunächst sich selbst überlassen.

 

erst im jahr 1912, nachdem bürgermeister friedrich almauer das gebäude erweitern ließ (osttrakt), wurden die schwestern vom hl. kreuz aus linz mit der betreuung der bewohner betraut. ein weiterer zubau (nord-west-trakt) erfolgte 1936. dort war zwischen 1929 und 1938 eine kinder-tagesheimstätte eingerichtet. hier konnten eltern, die ganztags arbeiten mussten, bzw. alleinerziehende mütter ihre kinder unterbringen.

 

durch den bau eines modernen bezirksaltenheimes (1957) wurde die sinnhaftigkeit des gemeindealtenheimes erstmals in frage gestellt. doch die gemeinde lambach blieb ihren bürgerinnen und bürgern treu und betrieb die kommunale einrichtung nun parallel zur öffentlichen. doch ende der 1980er-jahre, waren die behördlichen auflagen bereits so hoch, dass die schließung des heimes endgültig bevorstand. mit beschluss des gemeinderates wurden ab 1991 keine neuen pfleglinge mehr aufgenommen und anfang des jahres 1996 wurden die letzten verbleibenden bewohner in umliegende einrichtungen übersiedelt.

 

nach 120 jahren öffentlich-sozialer nutzung wurde das alte zimmerhaus wieder privatisiert, die benachbarte unternehmerfamilie karl und marianne deinhammer kaufte im frühling 1998 das gesamte areal. im erdgeschoß waren zunächst montagewerkstätten und büros der fa. deinhammer-maschinenbau untergebracht, das og wurde zu wohnungen ausgebaut. als sich im frühling 2009 der bedarf der fa. deinhammer erübrigte, wurde im erdgeschoß das seminarhaus eingerichtet.


 

 Der Mensch spielt,

und er weiß,

dass er spielt,

und das Spiel ist

unvernünftig.

 (Jan Huizinga, 1932)